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Glossary

ESG-Daten (ESG-Datenmanagement)

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ESG-Daten (ESG-Datenmanagement)

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16.09.2026

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ESG-Daten sind die quantitativen und qualitativen Angaben, mit denen ein Unternehmen seine Umwelt-, Sozial- und Governance-Leistung belegt. Sie reichen von Energieverbrauch und Emissionen über Fluktuation und Arbeitsunfälle bis zu Compliance-Vorfällen. Entscheidend ist nicht die Kennzahl selbst, sondern ihre Herkunft: aus welchem System sie stammt, wer sie verantwortet und ob sie einer Prüfung standhält.

ESG-Daten, Ratingdaten und Marktdaten: die Abgrenzung

Der Begriff trägt im deutschen Sprachgebrauch zwei Bedeutungen, die regelmäßig verwechselt werden, weil sie unterschiedliche Adressaten haben. Wer „ESG-Daten“ sucht, meint entweder die Daten, die ein Unternehmen für seinen eigenen Bericht erhebt, oder die Daten, die Investoren über Unternehmen einkaufen.

MerkmalESG-BerichtsdatenESG-RatingdatenESG-Marktdaten
Wer erhebtDas Unternehmen selbst, aus eigenen SystemenDie Ratingagentur, aus Fragebogen und öffentlichen QuellenDatenanbieter, aus Berichten sowie Rating- und Modellwerten
WofürNachhaltigkeitserklärung nach CSRD und ESRSBewertung in EcoVadis, CDP oder MSCIPortfolio-, Kredit- und Indexentscheidungen
QualitätsmaßstabPrüfungsurteil mit begrenzter SicherheitMethodik der Agentur, extern nicht geprüftAbdeckung und Aktualität des Anbieters
Wer fragt danachAbschlussprüfer, Kunden, BankenKunden und EinkaufsabteilungenInvestoren und Finanzabteilungen

Nur die erste Spalte entsteht im Unternehmen. Die beiden anderen sind Weiterverarbeitungen und nur so gut wie die Berichtsdaten, aus denen sie abgeleitet werden. Das ist der Grund, warum Ratingergebnisse sich selten durch bessere Fragebogenantworten verbessern lassen: Die Lücke sitzt meist eine Ebene tiefer, in der Erhebung.

Wo ESG-Daten regulatorisch verankert sind

Mit der CSRD sind ESG-Daten von einem freiwilligen Managementinstrument zu einer prüfungspflichtigen Angabe geworden. Für die Nachhaltigkeitserklärung verlangt die Richtlinie ein Prüfungsurteil mit begrenzter Sicherheit. Das verschiebt den Maßstab: Gegenstand der Prüfung ist nicht nur, ob eine Zahl plausibel ist, sondern ob der Prozess, der sie erzeugt hat, dokumentiert und nachvollziehbar ist.

Die ESRS machen das an drei Stellen konkret. ESRS 2 verlangt unter der Angabepflicht GOV-5 eine Beschreibung des Risikomanagements und der internen Kontrollen der Nachhaltigkeitsberichterstattung, die die Kontrollebene über Daten darstellt. Die Angabepflicht BP-2 verlangt, Schätzungen aus der Wertschöpfungskette, den Genauigkeitsgrad der Angaben und die Quellen der Schätzungsunsicherheit offenzulegen. Und ESRS 1 lässt Schätzungen dort zu, wo Primärdaten aus der Wertschöpfungskette trotz angemessener Anstrengungen nicht verfügbar sind.

Der Umkehrschluss ist die eigentliche Konsequenz für die Praxis: Eine Schätzung ist zulässig, eine undokumentierte Schätzung nicht. Der Unterschied zwischen beidem ist Datenmanagement.

Welche ESG-Daten ein Unternehmen wirklich braucht

Die Datenpunktliste folgt nicht aus dem Standard, sondern aus der Wesentlichkeitsanalyse. Berichtspflichtig sind die Angaben zu den Themen, die als wesentlich bestimmt wurden; alles andere entfällt. Das ist der wirksamste Hebel auf den Erhebungsaufwand und zugleich der am häufigsten übersprungene Schritt. Wer die Erhebung startet, bevor die Wesentlichkeit steht, sammelt regelmäßig Daten, die am Ende niemand ausweist.

Der Aufwand verteilt sich dabei ungleich. Eigene Standortdaten, wie Strom, Wärme, Kraftstoff, Abfall, Personalkennzahlen, liegen in aller Regel bereits in Systemen vor; sie sind eine Frage der Zuordnung, nicht der Beschaffung. Der Engpass sitzt in der Wertschöpfungskette: Emissionen aus eingekauften Waren, aus Transport und aus der Nutzung verkaufter Produkte lassen sich nur über Lieferantenabfragen oder Ausgabendaten annähern. Genau dafür sieht ESRS 1 Schätzungen vor. Genau dort entscheidet die Dokumentation darüber, ob die Angabe durch die Prüfung kommt.

Was ESG-Datenmanagement im Unternehmen bedeutet

ESG-Datenmanagement ist der organisatorische Unterbau dieser Pflichten. Für jeden berichtspflichtigen Datenpunkt ist festgelegt, aus welchem Quellsystem er kommt, wer ihn liefert, in welchem Turnus, nach welcher Methode er berechnet wird und wer ihn freigibt. Diese fünf Angaben sind zugleich das, was ein Prüfer sehen will.

Der häufigste Fehler in solchen Projekten ist die Reihenfolge. Erst wird eine Software ausgewählt, dann zeigt sich, dass für einen erheblichen Teil der Datenpunkte niemand zuständig ist: Die Energierechnung liegt beim Facility Management, die Fuhrparkdaten beim Leasinggeber, die Lieferantenausgaben im Einkauf, und keine dieser Stellen hat einen Berichtstermin in ihren Zielen. Die Software behebt das nicht, sie macht es sichtbar. Nach unserer Einschätzung ist die Zuständigkeitsfrage je Datenpunkt der Engpass, nicht das Werkzeug.

Dagegen spricht ein Argument, das ernst zu nehmen ist: In Unternehmen, die bislang nichts systematisch erhoben haben, schafft ein Werkzeug überhaupt erst den Anlass, die Zuständigkeiten zu klären. Wer so vorgeht, sollte die Auswahl allerdings als Organisationsprojekt führen und nicht als IT-Beschaffung, sonst steht am Ende ein System, das dieselben Lücken abbildet wie die Tabelle davor.

Five Glaciers Consulting unterstützt Unternehmen beim Aufbau einer prüffesten ESG-Datenarchitektur und der dazu passenden Softwareauswahl; von der Datenpunktliste über die Zuständigkeitsmatrix bis zur Freigabelogik.

Häufige Fragen zu ESG-Daten

01Was sind ESG-Daten?+

ESG-Daten sind die quantitativen und qualitativen Angaben zur Umwelt-, Sozial- und Governance-Leistung eines Unternehmens: Energieverbräuche, Treibhausgasemissionen, Abfall- und Wassermengen, Beschäftigtenzahlen, Fluktuation, Arbeitsunfälle, Schulungsstunden, Compliance-Vorfälle. Sie stammen aus den operativen Systemen des Unternehmens und sind die Grundlage der Nachhaltigkeitserklärung nach CSRD und ESRS.

02Was ist der Unterschied zwischen ESG-Daten und ESG-Ratingdaten?+

ESG-Berichtsdaten erhebt das Unternehmen selbst und legt sie in der Nachhaltigkeitserklärung offen; sie unterliegen der Prüfung. ESG-Ratingdaten sind das Ergebnis einer Bewertung durch Dritte — EcoVadis, CDP oder MSCI verdichten Fragebogenantworten und öffentliche Angaben zu einer Note nach eigener Methodik. Das Rating ist eine Weiterverarbeitung der Berichtsdaten, nicht deren Ersatz.

03Welche Datenqualität verlangen die ESRS?+

Die ESRS schreiben keine Messgenauigkeit vor, sondern Nachvollziehbarkeit. ESRS 2 verlangt unter der Angabepflicht GOV-5 eine Beschreibung des Risikomanagements und der internen Kontrollen der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Die Angabepflicht BP-2 verlangt, Schätzungen aus der Wertschöpfungskette, den Genauigkeitsgrad der Angaben und die Quellen der Schätzungsunsicherheit offenzulegen.

04Dürfen ESG-Daten geschätzt werden?+

Ja, unter Bedingungen. ESRS 1 lässt Schätzungen dort zu, wo Primärdaten aus der Wertschöpfungskette trotz angemessener Anstrengungen nicht verfügbar sind — allerdings nur, wenn die verwendete Methode und die Unsicherheit offengelegt werden. Zulässig ist damit die dokumentierte Schätzung, nicht die undokumentierte.

05Braucht man für ESG-Daten eine eigene Software?+

Nicht zwingend. Bei wenigen Standorten und überschaubarer Lieferkette ist eine sauber geführte Tabelle mit dokumentierten Quellen, Methoden und Freigaben prüffest genug. Eine Software lohnt sich, sobald die Zahl der Datenpunkte, der beteiligten Standorte oder der Erhebungszyklen die manuelle Nachverfolgung unzuverlässig macht. Auslöser ist die Nachvollziehbarkeit, nicht die Datenmenge.

Sources

  1. Europäisches Parlament und Rat: Richtlinie (EU) 2022/2464 (CSRD) zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen, 2022.
  2. Europäische Kommission: Delegierte Verordnung (EU) 2023/2772 (ESRS 1 Kapitel 7 sowie ESRS 2, Angabepflichten BP-2 und GOV-5), 2023.
  3. EFRAG: ESRS Implementation Guidance IG 2 — Value Chain, 2024.

Autor: Kevin Möller · Stand: September 2026

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