DATE
10.09.2026
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10.09.2026
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Scope-4-Emissionen sind vermiedene Emissionen: die Treibhausgasmenge, die eine Lösung gegenüber einem Referenzszenario ohne diese Lösung einspart. Sie fallen außerhalb der eigenen Bilanz an — beim Kunden oder im Markt. Scope 4 ist deshalb kein vierter Scope des GHG Protocol, sondern eine Vergleichsrechnung neben Scope 1, 2 und 3.
Drei Größen, die in Nachhaltigkeitsberichten regelmäßig vermischt werden — und nur eine davon steht in der Bilanz.
| Merkmal | Scope 3 | Scope 4 (vermiedene Emissionen) | Kompensation (Offsets) |
|---|---|---|---|
| Was gemessen wird | Tatsächliche Emissionen in der Wertschöpfungskette, vor- und nachgelagert. | Die Differenz zwischen einem Referenzszenario und der tatsächlichen Lösung. Eine hypothetische Größe. | Tatsächliche Emissionsminderungen außerhalb der Wertschöpfungskette, über Zertifikate erworben. |
| Bezugspunkt | Die eigene Systemgrenze, erweitert um die Kette. | Ein Vergleichsfall, der nicht eingetreten ist. | Ein Projekt Dritter mit eigenem Nachweis. |
| Wirkung auf die eigene Bilanz | Erhöht die bilanzierte Menge. | Keine. Vermiedene Emissionen werden nicht abgezogen und nicht verrechnet. | Keine Minderung der Bruttoemissionen; getrennt auszuweisen. |
| Regelwerk | GHG Protocol Corporate Value Chain (Scope 3) Standard. | Kein Standard. Methodische Referenz ist die WBCSD-Guidance on Avoided Emissions v2.0 (2025). | ISO 14068-1 und die Regelwerke der Zertifikatsstandards. |
| Typische Verwechslung | Wird auf Zulieferer verengt; die nachgelagerte Nutzung fehlt. | Wird als Abzugsposten behandelt oder mit Kompensation gleichgesetzt. | Wird als Reduktion ausgewiesen statt als Ausgleich. |
Der GHG Protocol Corporate Standard kennt drei Scopes. Einen vierten gibt es dort nicht — und auch keine Definition vermiedener Emissionen. Das GHG Protocol selbst hat den Zustand früh beschrieben: Es gebe „no international standard or consistent terminology to describe avoided emissions“; „scope 4“ sei einer von mehreren kursierenden Begriffen. An dieser Grundlage hat sich bis heute nichts geändert.
Die methodische Referenz kommt stattdessen vom World Business Council for Sustainable Development. Die Guidance on Avoided Emissions liegt seit dem 24. Juli 2025 in der Fassung v2.0 vor und regelt Datenanforderungen, die Definition des Referenzszenarios, den Nachweis des eigenen Beitrags sowie Eignungskriterien und Berichtsvorlagen. Sie verortet vermiedene Emissionen ausdrücklich beyond the GHG inventory footprint — also außerhalb der Bilanz, nicht in ihr.
Für die Berichterstattung folgt daraus: Scope 4 ist keine Angabepflicht. Weder die ESRS noch die CSRD verlangen vermiedene Emissionen. Wer sie ausweist, tut das freiwillig — und trägt die Beweislast allein.
Der häufigste Fehler in Projekten zu vermiedenen Emissionen ist die Wahl des Referenzszenarios. Ob man gegen den Marktdurchschnitt rechnet, gegen die im konkreten Fall ersetzte Lösung oder gegen die schlechteste verfügbare Alternative, entscheidet über das Ergebnis stärker als jeder Emissionsfaktor. Eine Einschätzung aus der Praxis: Zwei methodisch vertretbare Szenarien können für dasselbe Produkt Ergebnisse liefern, die um ein Vielfaches auseinanderliegen. Wer das Szenario nicht begründet und dokumentiert, hat keine Zahl, sondern eine Behauptung.
Die zweite verbreitete Falschannahme: Vermiedene Emissionen senkten den eigenen Fußabdruck. Das tun sie nicht. Sie sind kein Stoffstrom innerhalb der Systemgrenze, sondern ein Vergleich mit einem Fall, der nicht eingetreten ist. Die Klimabilanz bleibt unverändert, und ein wissenschaftsbasiertes Reduktionsziel wird durch sie nicht erfüllt — solche Ziele sind auf die bilanzierten Scope-1-, -2- und -3-Mengen definiert. Wer die Zahl in der Werbung verwendet, bewegt sich zudem im Anwendungsbereich der Regeln für Umweltaussagen; welche Aussagen seit der UWG-Novelle zulässig sind, ist an anderer Stelle aufgeschlüsselt.
Richtig eingesetzt ist Scope 4 dagegen eine Steuerungsgröße: Sie zeigt, welcher Teil des Portfolios Minderung beim Kunden bewirkt, und macht Innovationsentscheidungen vergleichbar. Five Glaciers Consulting unterstützt bei der Quantifizierung vermiedener Emissionen mit belastbarem Referenzszenario.
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Scope-4-Emissionen sind vermiedene Emissionen: die Treibhausgasmenge, die ein Produkt oder eine Dienstleistung gegenüber einem Referenzszenario ohne diese Lösung einspart. Sie fallen außerhalb der eigenen Systemgrenze an und werden nicht in der Klimabilanz erfasst. Der Begriff ist eine Konvention aus der Fachdebatte, kein Bestandteil des GHG Protocol.
Nein. Vermiedene Emissionen sind eine Vergleichsrechnung gegen ein Szenario, das nicht eingetreten ist, und kein Stoffstrom innerhalb der Systemgrenze. Sie werden getrennt von Scope 1, 2 und 3 ausgewiesen, mindern die bilanzierte Menge nicht und erfüllen kein wissenschaftsbasiertes Reduktionsziel, weil solche Ziele auf der Bilanz definiert sind.
Kein verbindlicher. Das GHG Protocol führt keinen vierten Scope und hat für vermiedene Emissionen bis heute keinen Standard veröffentlicht. Die maßgebliche methodische Referenz ist die Guidance on Avoided Emissions des WBCSD, seit dem 24. Juli 2025 in der Fassung v2.0, mit Vorgaben zu Referenzszenario, Beitragsnachweis, Eignungskriterien und Berichtsvorlagen.
Autor: Dr. Merlin C. Köhnke · Stand: September 2026


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