DATE
18.09.2026
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Graue Emissionen sind die Treibhausgase, die außerhalb der Nutzungsenergie eines Produkts oder Gebäudes entstehen: bei der Gewinnung der Rohstoffe, der Herstellung, dem Transport, der Instandhaltung und dem Rückbau. Im Englischen heißen sie embodied emissions, im CBAM-Kontext eingebettete Emissionen. Gemeint ist dieselbe Idee — die Systemgrenzen sind es nicht.
Der Begriff wird in drei Zusammenhängen verwendet, die sich in der Sache einig und in der Rechnung uneinig sind. Wer eine Zahl aus einem Zusammenhang in den anderen überträgt, rechnet falsch.
| Merkmal | Graue Emissionen (Bausektor) | Eingebettete Emissionen (CBAM) | Graue Energie |
|---|---|---|---|
| Gemessen wird | Treibhausgase in kg CO₂e | Treibhausgase in Tonnen CO₂e je Tonne Ware | Primärenergie in kWh oder MJ |
| Systemgrenze | Lebenszyklus ohne Betriebsenergie und Betriebswasser — Module A, B1 bis B5 und C nach DIN EN 15978 | Herstellungsprozess der Ware bis zum Werkstor, direkte und bei einigen Waren auch indirekte Emissionen | Herstellung, Transport und Entsorgung, ohne Nutzungsphase |
| Regelwerk | DIN EN 15978, für Bauprodukte EN 15804; Offenlegungspflicht über die EU-Gebäuderichtlinie | Verordnung (EU) 2023/956 mit den Überwachungs- und Berechnungsregeln der Durchführungsverordnungen | Kein verbindliches Regelwerk, je nach Quelle unterschiedlich abgegrenzt |
| Wer die Zahl braucht | Bauherren, Planungsbüros, Bestandshalter, Zertifizierungsstellen | Einführer von Zement, Eisen und Stahl, Aluminium, Düngemitteln, Strom und Wasserstoff | Energieberatung und Produktvergleiche |
Die häufigste Verwechslung steht in der letzten Spalte. Graue Energie ist ein Energiebetrag, graue Emissionen sind eine Treibhausgasmenge — und die beiden Größen laufen auseinander, sobald Prozessemissionen im Spiel sind. Bei Zementklinker entsteht der größere Teil der Emissionen nicht im Brennstoff, sondern chemisch bei der Entsäuerung des Kalksteins. Ein Stahl aus dem Elektrolichtbogenofen mit erneuerbarem Strom kann umgekehrt energieintensiv und trotzdem emissionsarm sein. Eine Umrechnung über einen pauschalen Faktor gibt es nicht.
Im Bausektor liefert DIN EN 15978 die Rechenmethode: Sie teilt den Lebenszyklus eines Gebäudes in Module — A für Herstellung und Errichtung, B für die Nutzungsphase, C für das Lebensende und D für Wiederverwendungs- und Verwertungspotenziale. Graue Emissionen sind alles außer der Betriebsenergie und dem Betriebswasser. Für einzelne Bauprodukte liefert EN 15804 die Regeln der Umwelt-Produktdeklaration. Die EU-Gebäuderichtlinie macht daraus eine Offenlegungspflicht: Das Lebenszyklus-Treibhauspotenzial neuer Gebäude ist künftig zu berechnen und auszuweisen, zunächst für große Neubauten, anschließend für alle.
Im CBAM sind die eingebetteten Emissionen keine Offenlegung, sondern eine Zahlungsgrundlage. Sie gehen als spezifische graue Emissionen je Tonne Ware direkt in die Zertifikatsmenge ein, gemeinsam mit dem CBAM-Faktor und dem Richtwert des jeweiligen Warencodes. Die Systemgrenze endet am Werkstor des Herstellers; Transport in die EU und alles danach bleibt außen vor.
Der häufigste Fehler in CBAM-Projekten ist ein naheliegender: Der Lieferant hat eine Umwelt-Produktdeklaration, also wird deren Emissionswert in die CBAM-Erklärung übernommen. Das hält nicht. Eine Deklaration nach EN 15804 folgt anderen Systemgrenzen und anderen Allokationsregeln als die CBAM-Überwachungsvorschriften, und sie ist nicht von einer für CBAM akkreditierten Prüfstelle verifiziert. Wer keinen regelkonform überwachten und verifizierten Lieferantenwert hat, rechnet mit Standardwerten — und die sind mit Aufschlag belegt und in der Regel teurer.
Nach unserer Einschätzung lohnt die Beschaffung verifizierter Lieferantendaten deshalb nicht am Kostenbetrag des laufenden Jahres, sondern an dem der kommenden: Der CBAM-Faktor sinkt über die Jahre, und derselbe Warenstrom wird dadurch teurer. Dagegen spricht, dass Lieferanten in vielen Drittstaaten die erforderliche Überwachung noch nicht aufgebaut haben — wer dort Daten verlangt, braucht Vorlauf und belastbare Rückfallpositionen.
Five Glaciers Consulting unterstützt Unternehmen bei der Berechnung produktbezogener Treibhausgasbilanzen nach ISO 14067 und GHG Protocol Product Standard. Wie sich Produktbilanz, Ökobilanz und Umwelt-Produktdeklaration voneinander unterscheiden, ordnet unser Beitrag zu PCF, LCA und EPD im Vergleich ein.
Graue Emissionen sind alle Treibhausgase, die außerhalb des Betriebs eines Produkts oder Gebäudes entstehen: bei Rohstoffgewinnung, Herstellung, Transport, Einbau, Instandhaltung und Rückbau. Bei einem Gebäude umfasst das nach DIN EN 15978 alle Lebenszyklusmodule außer der Betriebsenergie und dem Betriebswasser. Der englische Begriff ist embodied emissions.
Graue Energie ist ein Energiebetrag in Kilowattstunden oder Megajoule, graue Emissionen sind eine Treibhausgasmenge in Kilogramm CO₂-Äquivalent. Die beiden Größen laufen auseinander, sobald Prozessemissionen im Spiel sind oder der Strommix sich unterscheidet. Eine hohe graue Energie bedeutet nicht automatisch hohe graue Emissionen — und umgekehrt.
Begrifflich ja, rechnerisch nein. Die CBAM-Verordnung grenzt die eingebetteten Emissionen auf den Herstellungsprozess der eingeführten Ware bis zum Werkstor ab und schreibt eigene Überwachungs- und Berechnungsregeln vor. Transport in die EU, Einbau, Instandhaltung und Rückbau gehören nicht dazu. Eine Zahl aus einer Umwelt-Produktdeklaration erfüllt die CBAM-Anforderungen deshalb nicht.
Autor: Dr. Florian Niedermeier · Stand: September 2026


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