DATE
29.9.2026
AUTHORS
TOPICS
Governance & regulation
Climate management
SHARE

DATE
29.9.2026
AUTHORS
TOPICS
Governance & regulation
Climate management
SHARE
Das GHG Protocol ist der weltweit meistgenutzte Standard für die betriebliche CO₂-Bilanzierung — und er verändert sich gerade grundlegend. Am 29. Juli 2026 haben das GHG Protocol und die Internationale Organisation für Normung (ISO) angekündigt, ihre bislang getrennten Unternehmensstandards zu einem einzigen, gemeinsam getragenen Corporate Standard zusammenzuführen. Für Unternehmen, die ihre Klimabilanz an einem dieser Regelwerke ausrichten, ist das die wichtigste Weichenstellung im Carbon Accounting seit Jahren.
Die hier genannten Termine entsprechen dem Standardentwicklungsplan, den das GHG Protocol am 29. Juli 2026 veröffentlicht hat.
Das GHG Protocol (Greenhouse Gas Protocol) ist das weltweit am häufigsten verwendete Regelwerk zur Bilanzierung von Treibhausgasemissionen. Es wurde vom World Resources Institute (WRI) und vom World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) entwickelt und gliedert Emissionen in Scope 1 (direkt), Scope 2 (eingekaufte Energie) und Scope 3 (Wertschöpfungskette). Es bildet die Grundlage vieler Regulierungen, Ratings und Softwarelösungen.
Kurzdefinition: Das GHG Protocol ist ein von WRI und WBCSD entwickeltes Standard-Set für die Bilanzierung von Treibhausgasemissionen. Der Corporate Standard erfasst die Emissionen einer Organisation über Scope 1, Scope 2 und Scope 3. Er ist die methodische Basis unter anderem für die CSRD- und ESRS-Berichterstattung, für CDP und für die Science Based Targets initiative.
In der Praxis ist das GHG Protocol der erste Bezugspunkt, wenn ein Unternehmen eine Klimabilanz für Unternehmen (Corporate Carbon Footprint) erstellt. Parallel dazu existiert mit der ISO-14064-Familie ein zweites, stärker auf Prüfbarkeit ausgelegtes Regelwerk — ein Nebeneinander, das nun aufgelöst wird.
GHG Protocol und ISO haben am 29. Juli 2026 angekündigt, ihre Corporate-Standards für die CO₂-Bilanzierung zu einem einzigen, harmonisierten und gemeinsam gebrandeten Standard zusammenzuführen. Statt zweier paralleler Systeme soll es künftig ein gemeinsames Regelwerk geben — mit einem koordinierten Konsultationsprozess und einer gemeinsamen Terminologie.
Der Schritt folgt auf die strategische Partnerschaft, die beide Organisationen im September 2025 verkündet hatten. Damals war das Ziel allgemein formuliert; die Ankündigung vom Juli 2026 macht daraus eine konkrete Festlegung auf einen einzigen Corporate Standard. Tim Mohin, CEO des GHG Protocol, beschreibt den konsolidierten Standard als bedeutenden Schritt zur weltweiten Harmonisierung der Treibhausgasbilanzierung: Er werde die Berichterstattung vereinfachen, Doppelarbeit reduzieren und für mehr Konsistenz über Märkte und Rechtsräume hinweg sorgen. Den größeren Kontext dieser Annäherung haben wir in unserer Analyse zur Kooperation von ISO und GHG Protocol eingeordnet.
Die Zusammenführung ist zugleich ein Meilenstein der COP30 Action Agenda, in der sich beide Organisationen zur Harmonisierung globaler Standards für die Treibhausgasbilanzierung verpflichtet haben.
Der neue Standard führt die zentralen GHG-Protocol-Bausteine mit dem ISO-Organisationsstandard zusammen. Damit verschmelzen die breite Marktverankerung des GHG Protocol und die Prüf- und Verifizierungslogik der ISO-Welt. Zusammengeführt werden:
Für Unternehmen bedeutet die Kombination vor allem, dass Bilanzierung und Verifizierung künftig aus einem Guss kommen sollen — statt einer GHG-Protocol-Bilanz, die anschließend gegen ISO 14064-3 geprüft wird. Der neue Standard soll in zweiteiliger Struktur erscheinen, ergänzt um Anwendungsdokumente für die Umsetzung. Wichtig: Die GHG-Protocol-Standards für den Landsektor und für Entnahmen sind bislang nicht Teil des gemeinsamen Entwicklungsumfangs.
Zur selben Ankündigung gehörte die Auswertung der Scope-2-Konsultation: knapp 1.100 Rückmeldungen aus 56 Ländern mit deutlich auseinandergehenden Auffassungen darüber, wie Strombeschaffung zur Dekarbonisierung beiträgt. Technical Working Group und Independent Standards Board prüfen nun, ob künftig mehrere Berichtsansätze nebeneinander angeboten werden. Für den Workstream Actions and Market Instruments zeichnet sich eine Multi-Statement-Struktur ab, die physische Emissionen, marktbasierte Emissionen und Maßnahmenwirkungen getrennt ausweist. Was das konkret für Grünstromnachweise bedeutet, behandeln wir in der Analyse zur Scope-2-Neufassung.
Der Zeitplan ist von den Gremien beider Organisationen beschlossen. Die konsolidierte öffentliche Konsultation ist für das zweite Quartal 2027 angesetzt, die Veröffentlichung des gemeinsamen Corporate Standard für das vierte Quartal 2028. Bis zur Veröffentlichung bleiben die bestehenden GHG-Protocol- und ISO-Standards in Kraft.
Die früher getrennt geplante Revision des Corporate Standard und die ISO-Harmonisierung laufen damit nicht mehr parallel, sondern sind in einem Prozess zusammengeführt. Für Unternehmen ist das die praktisch wichtigere Information: Es gibt künftig einen Termin statt zweier, und die Konsultation im zweiten Quartal 2027 ist der Punkt, an dem sich die Anforderungen konkretisieren.
Für Unternehmen besteht kein akuter Umstellungsdruck: Die bestehenden Standards gelten unverändert weiter, bis der gemeinsame Standard final vorliegt. Wer heute eine Klimabilanz erstellt, sollte diese methodisch sauber und auditierbar aufsetzen — genau das ist die beste Vorbereitung auf ein harmonisiertes Regelwerk.
Konkret sinnvoll ist dreierlei. Erstens: Datenstrukturen so anlegen, dass sie sowohl der GHG-Protocol-Logik als auch der ISO-Verifizierungslogik genügen. Das reduziert späteren Anpassungsaufwand. Zweitens: die Konsultation im zweiten Quartal 2027 aktiv verfolgen, weil sie die künftigen Anforderungen prägt. Drittens: Synergien zur CSRD-Berichterstattung nutzen, deren ESRS-E1-Datenpunkte ohnehin auf GHG-konformer Bilanzierung aufsetzen. So wird aus einer regulatorischen Änderung ein Effizienzgewinn statt einer Doppelarbeit.
Neben dem Corporate Standard arbeiten GHG Protocol und ISO auch an einem gemeinsamen Standard auf Produktebene. Dafür wurde nach Angaben von ESG Today im April 2026 eine gemeinsame Arbeitsgruppe finalisiert, die auf ISO 14067 und dem GHG Protocol Product Standard aufbaut. Ziel ist eine einheitliche Methodik für produktbezogene CO₂-Fußabdrücke.
Das ist besonders relevant für Lieferketten und für den EU-Grenzausgleichsmechanismus CBAM, der auf belastbare produktbezogene Emissionsdaten angewiesen ist. Unternehmen, die bereits einen Product Carbon Footprint erstellen oder von Kunden dazu aufgefordert werden, profitieren mittelfristig von interoperableren, besser vergleichbaren Daten entlang der Wertschöpfungskette.
Die Zusammenführung ist überfällig und im Kern eine gute Nachricht: Ein einheitlicher Corporate Standard beendet das Nebeneinander, das in Projekten regelmäßig zu Doppelarbeit und Abstimmungsaufwand mit Prüfern geführt hat. Der eigentliche Gewinn liegt weniger in einer neuen Methodik als in weniger Reibung — eine Bilanzierungs- und Verifizierungslogik statt zweier.
Zugleich raten wir zu nüchterner Vorbereitung statt Aktionismus. Bis zur Konsultation im zweiten Quartal 2027 ändert sich für laufende Bilanzen nichts Verbindliches, und bis zur Veröffentlichung im vierten Quartal 2028 vergehen mehr als zwei Jahre. Wer jetzt hektisch umstellt, riskiert, Anpassungen später doppelt vorzunehmen.
Der lange Zeithorizont hat allerdings eine Kehrseite, die wir nicht verschweigen: Zwei Jahre sind in der Regulierungslandschaft eine lange Zeit, und Zielsetzungs- sowie Offenlegungsprogramme entscheiden weiterhin eigenständig, welche Elemente für sie relevant sind. Ein harmonisierter Standard löst die Fragmentierung auf Ebene der Bilanzierungsregeln, nicht auf Ebene der Programme, die darauf aufbauen. Reporting bleibt dabei kein Selbstzweck: Der Wert eines harmonisierten Standards entsteht erst, wenn er belastbare Daten für Entscheidungen über echte Emissionsminderungen liefert.

Ratings & certifications
Governance & regulation

Climate management
Experiences & comments
Ratings & certifications

Governance & regulation


Contact us for all concerns and questions relating to sustainability. We are happy to make time for a personal meeting or a digital coffee.
Headquarters in Hamburg
Tel.: +49 174 1305766
Email: info@fiveglaciers.com
Branch Office in Kiel
Tel.: +49 (0) 174 1305766
Direct appointment booking