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GHG Protocol und ISO: Ein einheitlicher Standard für die CO₂-Bilanzierung von Unternehmen

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DATE

29.9.2026

AUTHORS

Dr. Merlin C. Köhnke

Dr. Merlin C. Köhnke

TOPICS

Governance & regulation

Climate management

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Das GHG Protocol ist der weltweit meistgenutzte Standard für die betriebliche CO₂-Bilanzierung — und er verändert sich gerade grundlegend. Am 29. Juli 2026 haben das GHG Protocol und die Internationale Organisation für Normung (ISO) angekündigt, ihre bislang getrennten Unternehmensstandards zu einem einzigen, gemeinsam getragenen Corporate Standard zusammenzuführen. Für Unternehmen, die ihre Klimabilanz an einem dieser Regelwerke ausrichten, ist das die wichtigste Weichenstellung im Carbon Accounting seit Jahren.

Key Points at a Glance

  • Das GHG Protocol ist der faktische globale Standard für die Bilanzierung von Treibhausgasemissionen in Unternehmen (Scope 1, 2 und 3).
  • GHG Protocol und ISO führen ihre Corporate-Standards zu einem einzigen, co-branded Standard zusammen — angekündigt am 29. Juli 2026.
  • Zusammengeführt werden der Corporate Standard (2004), die Scope 2 Guidance (2015), der Scope 3 Standard (2011), der Workstream Actions and Market Instruments und die ISO 14064-1.
  • Zeitplan: konsolidierte öffentliche Konsultation im zweiten Quartal 2027, Veröffentlichung im vierten Quartal 2028.
  • Bis dahin gelten die bestehenden GHG-Protocol- und ISO-Standards unverändert weiter — es besteht kein akuter Umstellungsdruck, wohl aber Vorbereitungsbedarf.

Die hier genannten Termine entsprechen dem Standardentwicklungsplan, den das GHG Protocol am 29. Juli 2026 veröffentlicht hat.

Was ist das GHG Protocol?

Das GHG Protocol (Greenhouse Gas Protocol) ist das weltweit am häufigsten verwendete Regelwerk zur Bilanzierung von Treibhausgasemissionen. Es wurde vom World Resources Institute (WRI) und vom World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) entwickelt und gliedert Emissionen in Scope 1 (direkt), Scope 2 (eingekaufte Energie) und Scope 3 (Wertschöpfungskette). Es bildet die Grundlage vieler Regulierungen, Ratings und Softwarelösungen.

Kurzdefinition: Das GHG Protocol ist ein von WRI und WBCSD entwickeltes Standard-Set für die Bilanzierung von Treibhausgasemissionen. Der Corporate Standard erfasst die Emissionen einer Organisation über Scope 1, Scope 2 und Scope 3. Er ist die methodische Basis unter anderem für die CSRD- und ESRS-Berichterstattung, für CDP und für die Science Based Targets initiative.

In der Praxis ist das GHG Protocol der erste Bezugspunkt, wenn ein Unternehmen eine Klimabilanz für Unternehmen (Corporate Carbon Footprint) erstellt. Parallel dazu existiert mit der ISO-14064-Familie ein zweites, stärker auf Prüfbarkeit ausgelegtes Regelwerk — ein Nebeneinander, das nun aufgelöst wird.

Was haben GHG Protocol und ISO im Juli 2026 beschlossen?

GHG Protocol und ISO haben am 29. Juli 2026 angekündigt, ihre Corporate-Standards für die CO₂-Bilanzierung zu einem einzigen, harmonisierten und gemeinsam gebrandeten Standard zusammenzuführen. Statt zweier paralleler Systeme soll es künftig ein gemeinsames Regelwerk geben — mit einem koordinierten Konsultationsprozess und einer gemeinsamen Terminologie.

Der Schritt folgt auf die strategische Partnerschaft, die beide Organisationen im September 2025 verkündet hatten. Damals war das Ziel allgemein formuliert; die Ankündigung vom Juli 2026 macht daraus eine konkrete Festlegung auf einen einzigen Corporate Standard. Tim Mohin, CEO des GHG Protocol, beschreibt den konsolidierten Standard als bedeutenden Schritt zur weltweiten Harmonisierung der Treibhausgasbilanzierung: Er werde die Berichterstattung vereinfachen, Doppelarbeit reduzieren und für mehr Konsistenz über Märkte und Rechtsräume hinweg sorgen. Den größeren Kontext dieser Annäherung haben wir in unserer Analyse zur Kooperation von ISO und GHG Protocol eingeordnet.

Die Zusammenführung ist zugleich ein Meilenstein der COP30 Action Agenda, in der sich beide Organisationen zur Harmonisierung globaler Standards für die Treibhausgasbilanzierung verpflichtet haben.

Welche Standards fließen in den neuen Corporate Standard ein?

Der neue Standard führt die zentralen GHG-Protocol-Bausteine mit dem ISO-Organisationsstandard zusammen. Damit verschmelzen die breite Marktverankerung des GHG Protocol und die Prüf- und Verifizierungslogik der ISO-Welt. Zusammengeführt werden:

  • Scope 1 und Scope 2 aus dem GHG Protocol Corporate Standard (2004) und der Scope 2 Guidance (2015): direkte Emissionen und Emissionen aus eingekaufter Energie.
  • Scope 3 aus dem GHG Protocol Scope 3 Standard (2011): Emissionen der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette.
  • Actions and Market Instruments aus dem gleichnamigen GHG-Protocol-Workstream, der seit 2024 läuft: Behandlung von Marktinstrumenten und Minderungsmaßnahmen.
  • ISO 14064-1: Quantifizierung auf Organisationsebene sowie die Prüf- und Verifizierungslogik.

Für Unternehmen bedeutet die Kombination vor allem, dass Bilanzierung und Verifizierung künftig aus einem Guss kommen sollen — statt einer GHG-Protocol-Bilanz, die anschließend gegen ISO 14064-3 geprüft wird. Der neue Standard soll in zweiteiliger Struktur erscheinen, ergänzt um Anwendungsdokumente für die Umsetzung. Wichtig: Die GHG-Protocol-Standards für den Landsektor und für Entnahmen sind bislang nicht Teil des gemeinsamen Entwicklungsumfangs.

Zur selben Ankündigung gehörte die Auswertung der Scope-2-Konsultation: knapp 1.100 Rückmeldungen aus 56 Ländern mit deutlich auseinandergehenden Auffassungen darüber, wie Strombeschaffung zur Dekarbonisierung beiträgt. Technical Working Group und Independent Standards Board prüfen nun, ob künftig mehrere Berichtsansätze nebeneinander angeboten werden. Für den Workstream Actions and Market Instruments zeichnet sich eine Multi-Statement-Struktur ab, die physische Emissionen, marktbasierte Emissionen und Maßnahmenwirkungen getrennt ausweist. Was das konkret für Grünstromnachweise bedeutet, behandeln wir in der Analyse zur Scope-2-Neufassung.

Wann kommt der neue GHG-Protocol-Standard?

Der Zeitplan ist von den Gremien beider Organisationen beschlossen. Die konsolidierte öffentliche Konsultation ist für das zweite Quartal 2027 angesetzt, die Veröffentlichung des gemeinsamen Corporate Standard für das vierte Quartal 2028. Bis zur Veröffentlichung bleiben die bestehenden GHG-Protocol- und ISO-Standards in Kraft.

Die früher getrennt geplante Revision des Corporate Standard und die ISO-Harmonisierung laufen damit nicht mehr parallel, sondern sind in einem Prozess zusammengeführt. Für Unternehmen ist das die praktisch wichtigere Information: Es gibt künftig einen Termin statt zweier, und die Konsultation im zweiten Quartal 2027 ist der Punkt, an dem sich die Anforderungen konkretisieren.

What does this mean for businesses?

Für Unternehmen besteht kein akuter Umstellungsdruck: Die bestehenden Standards gelten unverändert weiter, bis der gemeinsame Standard final vorliegt. Wer heute eine Klimabilanz erstellt, sollte diese methodisch sauber und auditierbar aufsetzen — genau das ist die beste Vorbereitung auf ein harmonisiertes Regelwerk.

Konkret sinnvoll ist dreierlei. Erstens: Datenstrukturen so anlegen, dass sie sowohl der GHG-Protocol-Logik als auch der ISO-Verifizierungslogik genügen. Das reduziert späteren Anpassungsaufwand. Zweitens: die Konsultation im zweiten Quartal 2027 aktiv verfolgen, weil sie die künftigen Anforderungen prägt. Drittens: Synergien zur CSRD-Berichterstattung nutzen, deren ESRS-E1-Datenpunkte ohnehin auf GHG-konformer Bilanzierung aufsetzen. So wird aus einer regulatorischen Änderung ein Effizienzgewinn statt einer Doppelarbeit.

Was ändert sich beim Product Carbon Footprint?

Neben dem Corporate Standard arbeiten GHG Protocol und ISO auch an einem gemeinsamen Standard auf Produktebene. Dafür wurde nach Angaben von ESG Today im April 2026 eine gemeinsame Arbeitsgruppe finalisiert, die auf ISO 14067 und dem GHG Protocol Product Standard aufbaut. Ziel ist eine einheitliche Methodik für produktbezogene CO₂-Fußabdrücke.

Das ist besonders relevant für Lieferketten und für den EU-Grenzausgleichsmechanismus CBAM, der auf belastbare produktbezogene Emissionsdaten angewiesen ist. Unternehmen, die bereits einen Product Carbon Footprint erstellen oder von Kunden dazu aufgefordert werden, profitieren mittelfristig von interoperableren, besser vergleichbaren Daten entlang der Wertschöpfungskette.

Our Assessment

Die Zusammenführung ist überfällig und im Kern eine gute Nachricht: Ein einheitlicher Corporate Standard beendet das Nebeneinander, das in Projekten regelmäßig zu Doppelarbeit und Abstimmungsaufwand mit Prüfern geführt hat. Der eigentliche Gewinn liegt weniger in einer neuen Methodik als in weniger Reibung — eine Bilanzierungs- und Verifizierungslogik statt zweier.

Zugleich raten wir zu nüchterner Vorbereitung statt Aktionismus. Bis zur Konsultation im zweiten Quartal 2027 ändert sich für laufende Bilanzen nichts Verbindliches, und bis zur Veröffentlichung im vierten Quartal 2028 vergehen mehr als zwei Jahre. Wer jetzt hektisch umstellt, riskiert, Anpassungen später doppelt vorzunehmen.

Der lange Zeithorizont hat allerdings eine Kehrseite, die wir nicht verschweigen: Zwei Jahre sind in der Regulierungslandschaft eine lange Zeit, und Zielsetzungs- sowie Offenlegungsprogramme entscheiden weiterhin eigenständig, welche Elemente für sie relevant sind. Ein harmonisierter Standard löst die Fragmentierung auf Ebene der Bilanzierungsregeln, nicht auf Ebene der Programme, die darauf aufbauen. Reporting bleibt dabei kein Selbstzweck: Der Wert eines harmonisierten Standards entsteht erst, wenn er belastbare Daten für Entscheidungen über echte Emissionsminderungen liefert.

Klimabilanz zukunftssicher aufsetzen — GHG-Protocol- und ISO-konform

Wir klären mit Ihnen Methodik, Datenqualität und den sinnvollen ersten Schritt, damit Ihre Bilanz auch nach der Harmonisierung belastbar bleibt und Sie Prüfung und Berichterstattung nicht doppelt aufsetzen müssen.

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Conclusion

Mit der Entscheidung vom 29. Juli 2026 wird aus der Partnerschaft von GHG Protocol und ISO ein konkretes Vorhaben: ein einziger, gemeinsam getragener Corporate Standard für die betriebliche CO₂-Bilanzierung, mit Konsultation im zweiten Quartal 2027 und Veröffentlichung im vierten Quartal 2028.

Für Unternehmen ist das mittelfristig eine Vereinfachung, kurzfristig aber vor allem ein Auftrag zur guten Vorbereitung. Wer seine Klimabilanz jetzt methodisch konsistent und auditierbar aufsetzt und die Konsultation verfolgt, geht ohne Doppelarbeit in das neue Regelwerk — und nutzt die Harmonisierung als Effizienzgewinn statt als Pflichtübung.

Sources

  1. GHG Protocol: GHG Protocol Announces Key Standard Development Updates (29.07.2026) — https://ghgprotocol.org/blog/ghg-protocol-announces-key-standard-development-updates
  2. GHG Protocol: Key Standard Development Updates — FAQ Resource (29.07.2026) — https://ghgprotocol.org/blog/ghg-protocol-announces-key-standard-development-updates-faq-resource
  3. GHG Protocol: Consolidated Standard Development Plan (29.07.2026) — https://ghgprotocol.org/sites/default/files/2026-07/Consolidated-StandardDevelopmentPlan%28SDP%29-2026.07.29.pdf
  4. GHG Protocol: RELEASE — ISO and GHG Protocol Announce Strategic Partnership (September 2025) — https://ghgprotocol.org/blog/release-iso-and-ghg-protocol-announce-strategic-partnership-deliver-unified-global-standards
  5. GHG Protocol: ISO–GHG Protocol Partnership — Frequently Asked Questions (2025) — https://ghgprotocol.org/blog/iso-ghg-protocol-partnership-frequently-asked-questions
  6. ISO: ISO and GHG Protocol announce strategic partnership (September 2025) — https://www.iso.org/news/2025/09/iso-and-ghgp-partnership
  7. ESG Today: ISO, GHG Protocol Launch Working Group to Develop Unified Product-Level GHG Accounting Standard (14.04.2026, Sekundärquelle) — https://www.esgtoday.com/iso-ghg-protocol-launch-working-group-to-develop-product-level-ghg-accounting-standard/

About the Author

Dr. Merlin C. Köhnke verantwortet bei Five Glaciers Consulting die Themen Treibhausgasbilanzierung, Methodik und Standards. Er begleitet Unternehmen bei Corporate und Product Carbon Footprints, bei der Abgrenzung von Scope-Kategorien und bei der prüffesten Dokumentation von Bilanzierungsentscheidungen. Kontakt: merlin.koehnke@fiveglaciers.com

FAQ zum GHG Protocol und zum neuen Standard

Umfang, Zeitplan und Folgen: die häufigsten Fragen zur Zusammenführung

Die Antworten geben den Sachstand wieder, den das GHG Protocol am 29. Juli 2026 veröffentlicht hat.

01Was ist das GHG Protocol einfach erklärt?▾

Das GHG Protocol ist das weltweit meistgenutzte Regelwerk, um die Treibhausgasemissionen eines Unternehmens zu bilanzieren. Es teilt Emissionen in Scope 1 (direkte Emissionen), Scope 2 (eingekaufte Energie) und Scope 3 (Wertschöpfungskette) ein und liefert damit die methodische Grundlage für Klimabilanzen, CSRD-Berichte, CDP-Antworten und wissenschaftsbasierte Klimaziele. Entwickelt wurde es von WRI und WBCSD.

02Was haben GHG Protocol und ISO im Juli 2026 beschlossen?▾

Beide Organisationen haben am 29. Juli 2026 angekündigt, ihre Corporate-Standards für die CO₂-Bilanzierung zu einem einzigen, gemeinsam gebrandeten Standard zusammenzuführen. Der neue Standard kombiniert den GHG Protocol Corporate Standard, die Scope 2 Guidance, den Scope 3 Standard und den Workstream Actions and Market Instruments mit der ISO 14064-1. Die Zusammenführung ist ein Meilenstein der COP30 Action Agenda.

03Wann kommt der neue einheitliche Standard?▾

Der Zeitplan ist von den Gremien beider Organisationen beschlossen: Die konsolidierte öffentliche Konsultation ist für das zweite Quartal 2027 angesetzt, die Veröffentlichung für das vierte Quartal 2028. Bis dahin bleiben die bestehenden GHG-Protocol- und ISO-Standards unverändert in Kraft. Die früher getrennt geplante Revision des Corporate Standard ist in diesen Prozess eingegliedert.

04Muss ich meine Klimabilanz jetzt umstellen?▾

Nein. Die bestehenden GHG-Protocol- und ISO-Standards bleiben gültig, bis der gemeinsame Standard final veröffentlicht ist — voraussichtlich im vierten Quartal 2028. Es besteht kein akuter Umstellungsdruck. Sinnvoll ist, die Bilanz methodisch sauber und auditierbar aufzusetzen und die Datenstrukturen so anzulegen, dass sie sowohl der GHG-Protocol-Logik als auch der ISO-Verifizierungslogik genügen.

05Welche Standards werden zusammengeführt?▾

Konsolidiert werden der GHG Protocol Corporate Standard von 2004, die Scope 2 Guidance von 2015, der Scope 3 Standard von 2011, der Workstream Actions and Market Instruments sowie die ISO 14064-1. Der neue Standard soll in zweiteiliger Struktur erscheinen, ergänzt um Anwendungsdokumente. Die GHG-Protocol-Standards für den Landsektor und für Entnahmen sind bislang nicht Teil des gemeinsamen Entwicklungsumfangs.

06Was ändert sich für den Product Carbon Footprint?▾

Für die Produktebene entwickeln GHG Protocol und ISO in einer nach Angaben von ESG Today im April 2026 finalisierten gemeinsamen Arbeitsgruppe einen harmonisierten Standard auf Basis von ISO 14067 und dem GHG Protocol Product Standard. Ziel sind einheitliche, besser vergleichbare Produktdaten. Das ist besonders für Lieferketten und für die CBAM-Umsetzung relevant, die auf belastbare produktbezogene Emissionsdaten angewiesen ist.

07Was bedeutet die Änderung für die CSRD-Berichterstattung?▾

Die ESRS-E1-Datenpunkte der CSRD setzen auf GHG-konformer Bilanzierung auf. Ein harmonisierter Standard erhöht mittelfristig die Konsistenz von Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Daten. Kurzfristig ändert sich an den CSRD-Pflichten nichts; die saubere GHG-Bilanz bleibt die Grundlage des Berichts. Offenlegungs- und Zielsetzungsprogramme entscheiden weiterhin eigenständig, welche Berichtselemente für sie maßgeblich sind.

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