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Science Based Targets for Nature 2.0: Was sich ändert und welche Fristen gelten

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DATE

14.10.2026

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Dr. Merlin C. Köhnke

Dr. Merlin C. Köhnke

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Das Science Based Targets Network (SBTN) hat im Oktober 2026 Version 2.0 seiner Methoden und Leitlinien für Naturziele von Unternehmen veröffentlicht. Der Prozess bleibt in fünf Schritte gegliedert, wird aber an mehreren Stellen vereinfacht und um neue Zielpfade für Land und Süßwasser erweitert. Für Unternehmen, die bereits mit Version 1 arbeiten, laufen Übergangsfristen bis April und Juni 2027.

Dieser Beitrag ordnet ein, was die Science Based Targets for Nature sind, was sich mit Version 2.0 ändert, welche Fristen für den Übergang gelten und wie der Ansatz zu ESRS E4 und zu den Klimazielen der SBTi passt. Er stützt sich auf die Ankündigung und die Übersichtsseiten des SBTN vom Oktober 2026, nicht auf eine Auswertung der vollständigen technischen Leitfäden.

Key Points at a Glance

  • Die Science Based Targets for Nature sind die Methode des SBTN, mit der Unternehmen Ziele für Land, Süßwasser und Ozean wissenschaftsbasiert setzen; Version 2.0 wurde im Oktober 2026 veröffentlicht (SBTN-Ankündigung).
  • Der Prozess besteht aus fünf Schritten: Assess, Prioritize, Set targets, Act und Track. Die Leitlinien für Track stehen laut SBTN noch aus, weil die Finanzierung nicht gesichert ist.
  • Neu in Version 2.0 sind unter anderem ein Pfad für Bergbau, Infrastruktur und Bau, ein stärkerer Grundwasser-Ansatz, pestizidbezogene Wasserqualität und neue Hilfen für Schritt 4 (Act).
  • Wer nach Version 1 validieren lassen will, hat dafür noch Zeit: Schritte 1 und 2 sowie Land V1 bis April 2027, Freshwater V1.1 bis Juni 2027.
  • Klimaziele setzt das SBTN nicht selbst, sie laufen weiter über die SBTi.
  • Der Zielsetzungsprozess ist offen und kostenlos; für offizielle Ziele und deren Offenlegung ist eine Validierung über den Accountability Accelerator erforderlich.

Was sind die Science Based Targets for Nature?

Die Science Based Targets for Nature sind eine vom SBTN entwickelte Methode, mit der Unternehmen messbare Naturziele setzen, die sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Zustand der Natur orientieren. Der Ansatz ist ortsbezogen: Ziele richten sich nach den Standorten und Lieferketten, an denen sie die größte Wirkung auf die Natur haben. Der Weg reicht von der Analyse über die Priorisierung und die Zielsetzung bis zur Umsetzung.

Definition: Science-Based Targets for Nature (SBTN) sind wissenschaftsbasierte Naturziele für Unternehmen. Sie werden in fünf Schritten entwickelt — Assess, Prioritize, Set targets, Act, Track — und über den Accountability Accelerator validiert (SBTN: Target-setting guide).

Nach Angaben des SBTN nutzen mehr als 300 Unternehmen in 40 Ländern die Methoden. 45 Unternehmen haben öffentlich signalisiert, Naturziele nach SBTN zu setzen, und über 60 Land- und Süßwasserziele von 18 Unternehmen sind validiert (SBTN-Ankündigung). Es handelt sich um Herstellerangaben, nicht um unabhängig geprüfte Zahlen.

Was ändert sich mit Version 2.0?

Version 2.0 will den Weg zu Naturzielen praktikabler machen, ohne die Anforderungen an Strenge, Ortsbezug und Nachvollziehbarkeit zu senken. Die Änderungen verteilen sich auf die Schritte 1 und 2, auf die Zielpfade für Land und Süßwasser und auf Schritt 4. Der Ozean-Teil bleibt zunächst bei Seafood-Zielen; ein Ocean-Update kündigt das SBTN an (SBTN: Science-Based Targets for Nature 2.0).

  • Schritte 1 und 2 (Assess, Prioritize): bessere Anschlussfähigkeit an Bewertung und Offenlegung, mehr berücksichtigte Belastungsarten, eine klarere Behandlung von Abhängigkeiten und flexiblere Wege zum Ziel, darunter fokussierte Scopes, Lieferanten-Engagement-Ziele und schrittweise Validierung.
  • Land: erweiterte Pfade für Regeneration und Wiederherstellung auf bewirtschafteten Flächen; ein neuer Pfad für Bergbau, Infrastruktur, Bau und Rohstoffgewinnung beim Ziel, natürliche Ökosysteme nicht umzuwandeln.
  • Süßwasser: ein gestärkter Ansatz für Grundwasser und neu die pestizidbezogene Wasserqualität.
  • Schritt 4 (Act): neue Leitlinien, eine erweiterte Datenbank mit Maßnahmenoptionen und eine Vorlage für Aktionspläne. Schritt 4 ist nicht für eine Validierung vorgesehen.

Das SBTN erwartet nach dem Ocean-Update für die aktuelle Methodensuite vor allem gezielte Verfeinerungen, Leitfäden und Hilfsmittel, keine größeren Überarbeitungen mehr (SBTN-Ankündigung). Wer jetzt einsteigt, arbeitet also nicht an einem Provisorium.

Welche Zielbereiche deckt das SBTN ab?

Das SBTN deckt Süßwasser, Land und Ozean ab. Biodiversität ist nach Darstellung des SBTN in die Leitlinien aller Schritte integriert; als eigene Zielkategorie beschreibt die Übersichtsseite sie nicht. Klimaziele sind kein SBTN-Zielbereich, sie werden über die SBTi gesetzt (SBTN: Take action).

AreaZieltypenNeu oder gestärkt in 2.0
SüßwasserWassermenge, Nährstoffbelastung, Grundwasser, pestizidbezogene WasserqualitätGrundwasser gestärkt, Pestizide neu
CountryRegeneration und Wiederherstellung bewirtschafteter Flächen (Fläche und Qualität), Umwandlung natürlicher Ökosysteme vermeiden, LandschaftsengagementPfad für Bergbau, Infrastruktur, Bau und Rohstoffgewinnung; Footprint-Reduktion Teil des Regenerationsziels
OzeanÜbernutzung vermeiden und verringern, Strukturhabitate schützen, Risiken für gefährdete, bedrohte und geschützte Arten senkenSeafood-Ziele; Erweiterungen auf weitere Sektoren geplant, Zeitplan abhängig von Finanzierung

Welche Fristen gelten für den Übergang von Version 1?

Bereits validierte Arbeit bleibt nach Angaben des SBTN fünf Jahre gültig, und validierte Schritte müssen nicht wiederholt werden. Für Arbeit nach Version 1 gelten Übergangsfristen: Schritte 1 und 2 (V1.2) sowie Land V1 lassen sich bis April 2027 validieren, Freshwater V1.1 bis Juni 2027. Die Validierung von Freshwater V2 soll voraussichtlich im Dezember 2026 beginnen, die von Seafood-Zielen ist seit Oktober 2026 möglich (SBTN: Science-Based Targets for Nature 2.0).

AreaStand der Validierung
Schritte 1 und 2 (Version 1.2)bis April 2027
Land V1bis April 2027
Freshwater V1.1bis Juni 2027
Freshwater V2Beginn voraussichtlich Dezember 2026
Seafood-Zieleseit Oktober 2026 möglich

Schritte 1 und 2 nach Version 1.2 lassen sich laut SBTN mit Land V2 und Freshwater V2 kombinieren; für weitere Belastungsindikatoren sind zusätzlich Datenvorlagen V2.0 einzureichen. Die Frist April 2027 liegt sechs Monate nach dem Start von Version 2.

Wie passen SBTN und ESRS E4 zusammen?

Das SBTN ist keine Berichtspflicht und ersetzt keine Wesentlichkeitsanalyse nach ESRS, es liefert aber eine Methode für die Ziele, die ESRS E4 verlangt. E4-4 fordert Ziele zu Biodiversität und Ökosystemen, und der Rahmen für Ziele in ESRS 2 fragt in der Fassung 2026 ausdrücklich, ob diese Ziele auf belastbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Die Fassung stammt aus einem delegierten Rechtsakt, der noch nicht in Kraft ist; die Einzelheiten stehen in unserem Beitrag zu ESRS E4 Biodiversität und Ökosysteme.

Wer Biodiversitätsangaben nach dem Standard der Global Reporting Initiative macht, findet dort einen eigenen Berichtsrahmen, den wir im Beitrag zu GRI 101 zur Biodiversität beschrieben haben. SBTN, ESRS und GRI beantworten unterschiedliche Fragen: Das SBTN die nach der Methode für das Ziel, ESRS und GRI die nach der Offenlegung. Ob ein SBTN-validiertes Ziel einen Prüfer bei ESRS E4 überzeugt, hängt vom Einzelfall ab; eine allgemeine Anerkennung ist uns nicht bekannt.

Wie unterscheiden sich SBTN und SBTi?

Die SBTi setzt wissenschaftsbasierte Klimaziele, das SBTN setzt Naturziele zu Land, Süßwasser und Ozean. Beide arbeiten mit Validierungsprozessen und mit Unternehmen, aber auf unterschiedlichen Wirkungsfeldern. Wer ein Klimaziel nach dem SBTi Corporate Net-Zero Standard V2 hat, erfüllt damit keine Naturziele, und umgekehrt.

Berührungspunkte gibt es in der Landnutzung, etwa bei Entwaldung und Landumwandlung in Lieferketten. Dort sollten Sie Daten und Ursprungsinformationen einmal erheben und für beide Zielsysteme nutzen, statt sie doppelt aufzubauen.

Wie starten Unternehmen mit Naturzielen?

Der Einstieg beginnt mit den Schritten 1 und 2, weil sie bestimmen, welche Tätigkeiten und Standorte für Ziele überhaupt wesentlich sind. Das ist auch die Phase, für die das SBTN die Übergangsfrist bis April 2027 gewährt. Die Methode ist offen und kostenlos; eine Beratung brauchen Sie vor allem für Datenerhebung, Priorisierung und die Vorbereitung der Validierung.

  1. Wesentliche Tätigkeiten und Naturbelastungen im eigenen Betrieb und in der Wertschöpfungskette erfassen (Assess).
  2. Standorte und Lieferketten auswählen, an denen Ziele die größte Wirkung haben (Prioritize).
  3. Prüfen, ob ein Land-, Süßwasser- oder Seafood-Ziel passt, und die Ausgangswerte festlegen (Set targets).
  4. Maßnahmen in einen Aktionsplan überführen, mit der Vorlage und der Maßnahmendatenbank des SBTN (Act).
  5. Aufzeichnungen zu Tätigkeiten, Ausgangswerten, Maßnahmen und Fortschritt führen, bis die Leitlinien für Track vorliegen (Track).

Für den systematischen Aufbau von Zielen, Maßnahmen und Datengrundlage ist eine Biodiversitätsstrategie der geeignete Rahmen, weil sie die Schritte des SBTN mit Ihren Berichtspflichten verbindet.

Our Assessment

Die Frist April 2027 ist der konkrete Entscheidungspunkt: Wer Schritte 1 und 2 nach Version 1.2 validieren lassen will, sollte jetzt klären, ob die Datengrundlage bis dahin steht. Danach gilt Version 2. Das senkt den Aufwand für neue Einsteiger, entwertet aber keine Vorarbeit, weil validierte Schritte nicht wiederholt werden müssen.

Zwei Punkte würden wir nicht überschätzen. Erstens fehlen für Track noch Leitlinien, und der Ozean-Teil hängt von Finanzierung ab; wer ein vollständiges System bis zur Berichterstattung erwartet, wird noch nicht fertig. Zweitens sind die genannten Unternehmenszahlen Angaben des SBTN selbst. Dass 18 Unternehmen validierte Ziele haben, zeigt, dass der Prozess machbar ist, nicht dass er für jedes Unternehmen sinnvoll ist. Für Unternehmen mit großer Landnutzung, Rohstoffbezug oder Wasserbelastung in der Lieferkette ist er es oft; wo Naturthemen in der Wesentlichkeitsanalyse nachrangig sind, reicht zunächst eine saubere Analyse nach den Schritten 1 und 2.

Welche Naturziele passen zu Ihren Standorten und Lieferketten?

Wir prüfen, welche Naturbelastungen für Sie wesentlich sind, bereiten die Schritte 1 und 2 des SBTN auf einer belastbaren Datengrundlage vor und verbinden das Ergebnis mit Ihrer Berichterstattung.

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Conclusion

SBTN 2.0 behält die fünf Schritte bei, vereinfacht den Einstieg und erweitert die Zielpfade für Land und Süßwasser. Für Arbeit nach Version 1 laufen die Übergangsfristen bis April und Juni 2027, validierte Schritte bleiben fünf Jahre gültig.

Für die nächsten Wochen heißt das: Wesentlichkeit der Naturthemen klären, Datengrundlage für die Schritte 1 und 2 prüfen und entscheiden, ob die Validierung nach Version 1.2 vor April 2027 oder direkt nach Version 2 erfolgen soll. Die Einordnung beruht auf den Übersichtsseiten des SBTN; vor einer Validierung sollten Sie die technischen Leitfäden selbst heranziehen.

Sources

  1. Science Based Targets Network: Science-Based Targets for Nature 2.0: a practical route to credible action on nature (Oktober 2026) — https://sciencebasedtargetsnetwork.org/news/news/science-based-targets-for-nature-2-0-a-practical-route-to-credible-action-on-nature/
  2. Science Based Targets Network: Science-Based Targets for Nature 2.0 (abgerufen im Oktober 2026) — https://sciencebasedtargetsnetwork.org/companies/take-action/sbts-for-nature-2-0/
  3. Science Based Targets Network: Take action — Target-setting guide (abgerufen im Oktober 2026) — https://sciencebasedtargetsnetwork.org/companies/take-action/

About the Author

Dr. Merlin C. Köhnke verantwortet bei Five Glaciers Consulting die Themen Methodik und Standards, darunter Biodiversität, Treibhausgasbilanzierung und ISO-Normen. Fragen zu diesem Beitrag: merlin.koehnke@fiveglaciers.com.

FAQ zu Science Based Targets for Nature

Häufige Fragen zu SBTN 2.0, Fristen und Abgrenzung

Die wichtigsten Antworten zu Methode, Neuerungen in Version 2.0, Übergangsfristen und dem Verhältnis zu SBTi und ESRS E4, mit Stand Oktober 2026.

01Was sind Science Based Targets for Nature?

Science Based Targets for Nature sind wissenschaftsbasierte Naturziele für Unternehmen, die das Science Based Targets Network (SBTN) entwickelt hat. Sie decken Land, Süßwasser und Ozean ab und werden in fünf Schritten erarbeitet: Assess, Prioritize, Set targets, Act und Track. Für offizielle Ziele und deren Offenlegung ist eine Validierung über den Accountability Accelerator erforderlich.

02Was ist neu in SBTN 2.0?

Version 2.0, veröffentlicht im Oktober 2026, bringt flexiblere Wege in den Schritten 1 und 2, einen Pfad für Bergbau, Infrastruktur und Bau beim Land-Ziel, einen gestärkten Grundwasser-Ansatz, pestizidbezogene Wasserqualität und neue Hilfen für Schritt 4 (Act). Der Ozean-Teil bleibt zunächst bei Seafood-Zielen; ein Ocean-Update hat das SBTN angekündigt.

03Bis wann können Ziele nach Version 1 validiert werden?

Schritte 1 und 2 nach Version 1.2 sowie Land V1 lassen sich nach Angaben des SBTN bis April 2027 validieren, Freshwater V1.1 bis Juni 2027. Bereits validierte Arbeit bleibt fünf Jahre gültig, und validierte Schritte müssen nicht wiederholt werden.

04Kostet die Nutzung der SBTN-Methode etwas?

Der Zielsetzungsprozess ist nach Angaben des SBTN offen und für alle Unternehmen kostenlos. Für offizielle Ziele und deren Offenlegung ist eine Validierung über den Accountability Accelerator nötig. Zu den Kosten der Validierung machen die Übersichtsseiten des SBTN keine Angaben.

05Gehören Klimaziele zu den SBTN-Zielen?

Nein. Klimaziele sind kein SBTN-Zielbereich, sie werden über die Science Based Targets initiative (SBTi) gesetzt. Das SBTN deckt Süßwasser, Land und Ozean ab, Biodiversität ist nach Darstellung des SBTN in die Leitlinien aller Schritte integriert.

06Ist SBTN für die Berichterstattung nach ESRS E4 Pflicht?

Nein, das SBTN ist eine freiwillige Methode und keine Berichtspflicht. ESRS E4 verlangt Ziele zu Biodiversität und Ökosystemen und fragt in der Fassung 2026 ausdrücklich, ob diese auf belastbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen; diese Fassung ist noch nicht in Kraft. Das SBTN kann dafür eine Methode liefern, eine allgemeine Anerkennung durch Prüfer ist uns nicht bekannt.

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